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Ein Abend voll Musik und 911


Endlich hatten wir einmal wieder die Zeit gefunden, Abends in die Stadtmitte downtown zu fahren.
In den Monaten von April bis Oktober gibt es dort jeden Abend, außer Montags, kostenlose Konzerte,Theater und Auftritte von Bands. Leider fehlt uns jedoch meist die Zeit die vielen tollen Angebote nutzen zu können. Es gibt einfach zu viele davon!
An Wochenenden gibt es regelmäßig Shakespeare-Theaterstücke im Park, Dienstags spielen Blue Grass Bands auf der Bühne eines Freilichtmuseums, Mittwochs gibt es Rock- und Blues auf einer Freiluftbühne am Fluß, Donnerstags wird Rock-Pop-Musik in einem städtischen Park an der Mainstreet gespielt, Freitags spielen Jazzgruppen auf einem Platz der Mainstreet, Samstags gibt es Shaggin' -eine besondere Beachmusik aus den Südstaaten.
An diesem Abend spielte nun eine Rock-and-Roll Band auf einer Freilichtbühne am Fluß. Wir genossen die Musik, die wunderbar, warme Sommerabendstimmung und dazu ein leckeres Eis.
Schließlich machten wir uns gelöst und voll guter Laune auf den Heimweg. Wir wählten den Weg über die Interstate, weil wir dann in nur 15 oder 20 Minuten zu Hause sein würden. Als wir auf der Abfahrt anhalten mußten, fuhr der nachfolgende Wagen auf uns auf. Es knallte, unsere Köpfe trafen die Kopfstützen.
Unseren Wagen hatten wir gerade zwei Monaten zuvor neu gekauft. Es war ein Honda Odyssey, ein sehr großräumiger Minivan. Bisher waren wir sehr zufrieden mit ihm. Nach dem Knall zu urteilen, mußte er ziemlich beschädigt sein. Der Schreck saß tief und der Nacken schmerzte. Als wir ausstiegen entschuldigte sich ein junge Frau tausendmal. Sie fuhr einen schwarzen TransAm, hatte einfach nicht aufgepaßt und beim Abbiegen zur Seite geschaut. Zum Glück war niemand verletzt und die beiden Autos sahen auch nicht so schrecklich beschädigt aus, wie zuvor angenommen. Dennoch riefen wir sofort die Polizei unter 911 an, weil die Versicherungen einen polizeilichen Bericht benötigen, um den Schaden begleichen zu können. Uns wurde gesagt, daß ein Polizist unterwegs wäre. Es könnte aber durchaus über eine halbe Stunde dauern.
Unsere Unfallverursacherin setzte sich in ihren Wagen und rief offensichtlich alle Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen an, um ihnen von ihrem Mißgeschick zu berichten und Unterstützung zu erhalten. Gut, daß es Handy's cell phones gibt !
Als schließlich nach langen 35 Minuten der Polizist eintraf, konnten wir unsere Fahrzeuge auf den Platz der nächsten Tankstelle fahren. Der Polizist ließ uns dort hintereinander parken. Er selbst stellte seinen Wagen strategisch so ab, daß die im Polizeiwagen befindliche Kamera unsere beiden Fahrzeuge im Blick hatte. Dort ließ er sich dann den Vorgang schildern und nahm alle Daten auf. Da unser Wagen verhältnismäßig neu war, fehlte unser Versicherungsschein. Dieser hätte uns von der Stadtverwaltung bereits zugeschickt werden sollen. Leider war er jedoch noch nicht bei uns eingetroffen. Alle unsere Daten wurden jetzt vom Polizisten auf dem Laptop in seinem Wagen überprüft, natürlich auch ob unsere Versicherungsangaben derWahrheit entsprachen. Das dauerte.
Zwischenzeitlich kam auch noch ein Pick-upangefahren, stellte sich quer vor den Polizeiwagen, der Fahrer sprang heraus und klopfte an's Fenster desPolizisten. Große Freude und laute Begrüßung - es war ein Freund, mit dem er nun Informationen und Geschichten austauschen mußte.
In der Zwischenzeit war ein Betrunkener an die Telefonzelle zwischen unsere beiden Unfallwagen getreten. Schwankend versuchte er Quarter, Nickel und Dime einzuwerfen. Der, inzwischen auch eingetroffene Mann unserer Unfallverursacherin trat hinzu, um dem Betrunkenen beim Telefonat zu helfen. Als das Telefonat dennoch nicht klappte, stolperte und wankte der Angetrunkene über Dosen und Kisten in das Tankstellengebäude und versuchte dort sein Glück mit dem Telefonanruf. Offensichtlich kam der Anruf auch dort nicht zustande, denn kurze Zeit später schwankte er aus der Tankstelle, stieg in ein Auto und fuhr mit hoher Geschwindigkeit Richtung Interstate davon. Da der Polizist sich noch immer angeregt mit seinem Freund unterhielt, hatte er von dem ganzen Geschehen nichts mitbekommen. Nachdem wir Umstehenden ihn darauf aufmerksam machten, benachrichtigte er schnell den nächsten Posten an der Interstate. Wir hoffen, dass dieser Betrunkene rechtzeitig geschnappt wurde, bevor er ein Unglück anrichten konnte.
Schließlich erhielten wir die Papiere, die wir der Versicherung einreichen konnten und verabschiedeten uns von der netten Unfallverursacherin und ihren Begleitern, mit denen wir uns während dieser Stunde angeregt unterhalten hatten. Mittlerweile hatten wir nämlich auch ihren Mann und einige ihrer Freunde kennengelernt, denn diese waren zur moralischen Unterstützung in der Zwischenzeit eingetrudelt.
In der Woche nach unserem Unfall wurde der Schaden an unserem Wagen von einem Versicherungsagenten geschätzt und wir erhielten sofort einen Scheck check über die Summe. Falls in der Werkstatt eine höhere Rechnung anfiele, würden sich Versicherung und Werkstatt miteinander verständigen. Das Auto erhielt einen Termin in der Werkstatt und wurde repariert. Als wir es am nächsten Tag wieder abholten, war es nicht nur repariert, sondern auch von innen wie außen gründlichst gewaschen. Die Werkstatt hatte noch einen zusätzlichen Schaden entdeckt, den der Schätzer nicht gesehen hatte. Sie setzten sich mit dem Prüfer in Verbindung, reparierten den zusätzlichen Schaden und regelten die Bezahlung mit der Versicherung. Wir brauchten nur unseren Wagen abzuholen und keinerlei Gedanken mehr an Versicherung oder Rechnungen verschwenden.


Flavia Westerwelle


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